Kirchturm Heilig Geist und Kirchenvorplatz

Der 40 Meter hohe Turm, 1962 fertiggestellt, steht auf 37 quadratischen Stahlbetonpfeilern im Format 30 x 30 cm, die senkrecht und schräg etwa 10 Meter in den Untergrund eingerammt und die auf einer größeren Fläche als der Tumrquerschnitt (5,7 x 4,4 m) verteilt sind. Seine Höhe gewann er durch eine Kletterschalung, die abschnittsweise höher gesetzt wurde.

Besondere Ausssteifungen garantierten, dass die glatten Flächen des Sichtbetons und die figürlichen Details maßgenau und ansatzlos blieben. Das Einzigartige an ihm sind die 220 qm Betonreliefs. Sie wurden als positive Holzskulpturen auf der Außenseite der Schalung befestigt. Entworfen und gefertigt hat sie unser Gemeindemitglied Alfred Georg Seidel (1913–2001). Ihr Thema ist das Wirken des Heiligen Geistes im Alten und Neuen Bund.

Ernst Schremmer schrieb darüber: Am Schorndorfer Glockenturm ist die uralte Botschaft des Heils in sprechender, signalhafter Verknappung wie eine biblia pauperum unserer Zeit in moderne Form geschnitten, in moderenem Material vorgetragen. (...) Rufen die Glocken die Gläubigen zur Besinnung und zum Gottesdienst, so sind die Reliefs eine optische Aufforderung an die Menschen sich mit dem Wort Gottes zu befassen, immer wieder seinem Sinn nachzusinnen. Das Ganze ist ein Intritus zur Kirche und ihrem Patronat, dem Heiligen Geist.

 

Über dem Haupteingang schließlich ist das jüngste Kunstwerk des Kirchenensembles, Einfall des Geistes, angebracht (Hubert Kaltenmark, 2009)

 

Die Motive der Turmreliefs

 

Kirchenrundgang Hl Geist - Turmrelief

et incarnatus est - und (das Wort) wurde eingefleischt

Kennen Sie die Glasmalerei auf der Titelseite? Vielleicht sind Sie schon oft an ihr vorüber gegangen, und sie fiel Ihnen gar nicht auf – weil sie Ihnen einfach zu gewohnt ist. Diese Darstellung „Maria mit Kind“ entstammt dem Zyklus „Marienleben“ in unserer Hl.-Geist-Kirche; ein künstlerisches Kleinod in dem ansonsten so schlichten Kirchenraum, das wert ist, dass man nicht einfach nur daran vorüber geht.
Liebevoll trägt und umfasst Maria das Jesus-Kind, das sich anschmiegt, über den Verlauf der Kontur sich eng mit ihr verbindet. Und doch zeichnet sich innerhalb dieses „lautlosen“ und vielleicht darin gerade so „aussage-vollen“ Beziehungsmo-ments von Mutter und Kind bereits eine Spannung ab, welche weit über diesen Augenblick hinaus weist – die ganze Dramatik dieses noch jungen Lebens ahnend vorweg nimmt: der fragende Blick des Knäbleins und der beinahe melancholische Blick Mariens, der über das Kind hinweg gerichtet ist – auf das Kreuz, das sich wenige Bilder weiter imaginär erhebt.

Die gewohnte Idylle der Weihnacht – Lichterglanz, Stille Nacht, Engelsgesang – die ganze Süßigkeit, die wir nur zu gerne mit dem Ereignis der Heiligen Nacht verbinden – ist hier aufgebrochen: „et incarnatus est.“ Auch an diesem Wort aus dem berühmten Prolog des Johannes-Evangeliums gehen wir innerlich oft nur vorüber – weil es einfach zu gewohnt ist: „und das Wort ist Fleisch geworden.“ Doch gerade in diesem so skandalösen Ausdruck des „Eingefleischt-Werdens“ des göttlichen Logos ist die unfassbare Fülle dieser Theodramatik – des Dramas zwischen Gott und Mensch, und darin Gottes in sich – ausgedrückt. Das „Wort“ (Logos) bleibt nicht hohle Phrase in fernen Himmeln – leeres Geschwätz und seichte Vertröstung – sondern drückt sich in unvergleichlicher Konsequenz radikal unter uns – in uns – aus: es ist, was es aus-spricht – „voll Gnad und Wahrheit“ – in jedem Augenblick. Der göttliche „Logos“ – ein Wort, das sich ob der Fülle seiner Bedeutung selbst nicht erschöpfend übersetzen lässt, jedoch irgendwie auf die Ur-Ordnung in Gott verweist – kommt mir inmitten all der Verletzlichkeit, Vergänglichkeit und Fragwürdigkeit meines eigenen Fleisches entgegen und will mich umfassen, sich mir anschmiegen – wie Maria dem Kind – und das Kind Maria. In all dem, was unser Leben ausmacht, was auch immer uns im Leben begegnet – Momente der Freude und des Glückes; wie auch die vielen Momente tiefsten Leids, in denen wir nur noch fragend und klagend aufzublicken ver-mögen: „warum?“ – ist ER mit uns – Immanu-El.

Ich wünsche uns allen, dass wir an dieser Wahrheit der Weihnacht, die eben nicht von äußerlichem Glanz umstrahlt ist, im gewohnten Gang der verengten und ver-engenden Perspektive unserer allzu gängigen Erwartungen achtlos vorüber gehen; sondern dass wir achtsam den fleischig-warmen Glanz SEINER Liebe in unserem Fleisch zu vernehmen vermögen. Denn: „incarnatus est.“
Pfarradministrator Jens Kimmerle

Unendlich glauben - Kirche im Remstal bereit für Remstal Gartenschau

logo gartenschau 2019Kirche im Remstal, das sind vor allem Menschen. Verliebt oder in Trauer, voller Fragen oder mit Zuversicht. Menschen, in einem fantastischen Garten: unserem Remstal.
Begegnen Sie Orten und Menschen in dieser Slideshow, Stadt- und Dorfkirchen, Münster und Kloster, Orte, die von Suchenden und Zweiflern erzählen, von Spiritualität und sozialem Engagement…